Es gibt einen Satz, den ich von Pferdetherapeutinnen regelmäßig höre, in fast identischer Form, egal wo sie stehen, egal wie lange sie schon arbeiten:
„Ich mache das so gerne. Aber manchmal komme ich nach Hause und bin einfach leer.“
Leer, obwohl die Behandlung passend war, obwohl das Pferd gut reagiert hat und obwohl niemand etwas Negatives gesagt hat.
Pferdetherapeutinnen sind besonders empfänglich für fremde Emotionen
Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Beobachtung.
Wer in der Pferdetherapie arbeitet, hat in der Regel eine ausgeprägte Fähigkeit zur Wahrnehmung. Das ist eine Stärke, sie ermöglicht es, feine Signale beim Tier zu lesen, auf Veränderungen im Körper zu reagieren, intuitiv zu spüren, was gebraucht wird.
Das gleiche System, das dir bei der Arbeit am Pferd hilft, nimmt aber auch alles andere auf: Die angespannte Besitzerin, die am Rand steht. Der Ehemann, der skeptisch kommentiert. Die Reitstallbetreiberin, die eine andere Meinung hat.
Du arbeitest nie nur am Pferd. Du arbeitest immer auch inmitten von Menschen, die eigene Erwartungen, Sorgen und Dynamiken mitbringen. Und das kostet Energie – oft mehr als die Arbeit selbst.
Die emotionale Rechnung geht nicht auf
Viele Pferdetherapeutinnen fühlen sich verantwortlich, nicht nur für das Tier, sondern auch für das Erleben der Besitzerin.
Sie wollen, dass die Behandlung nicht nur wirkt, sondern dass die andere Person auch zufrieden ist. Dass keine Fragen offenbleiben. Dass keine Spannung im Raum hängt.
Das klingt fürsorglich und ist es auch. Aber es hat einen Preis.
Denn diese Art von emotionaler Verantwortung ist nicht begrenzt. Sie lässt sich nicht abschließen wie eine Behandlung. Sie bleibt, als Grübeln auf dem Heimweg, als nächtliche Gedanken, als das vage Gefühl, nicht genug getan zu haben.
Abgrenzung wird in unserem Bereich häufig missverstanden
Das Wort „Grenzen setzen“ klingt für viele hart.
Ich bin doch fürsorglich. Ich helfe doch gerne. Warum sollte ich mich abgrenzen?
Aber Abgrenzung bedeutet nicht, weniger zu geben.
Sie bedeutet: zu wissen, was deine Aufgabe ist und was nicht., wo deine Verantwortung liegt und wo deine Energie hingehört und wo nicht.
Eine Therapeutin, die dauerhaft zu viel trägt, wird irgendwann nicht mehr in der Lage sein, das zu geben, was ihre Arbeit ausmacht, diese ruhige, aufmerksame Präsenz, die das Pferd braucht, um sich zu öffnen.
Abgrenzung schützt nicht dich allein. Sie schützt auch deine Arbeit.
Das hat nichts mit Empathiemangel zu tun
Im Gegenteil.
Die Therapeutinnen, die am meisten tragen, sind oft die, die am tiefsten fühlen. Die es ernst meinen und echte Verbindung zu den Tieren haben.
Das Problem ist nicht das Fühlen selbst. Das Problem entsteht dann, wenn aus Mitgefühl Verantwortungsübernahme für etwas wird, das nicht in deinen Händen liegt. Ob ein Pferd heilt, hängt von vielen Faktoren ab. Du bist einer davon, ein wichtiger, aber nicht der einzige.
Was das mit meinem Minikurs zu tun hat
Einer der fünf Mindset-Shifts im kostenlosen Minikurs beschäftigt sich genau damit: mit dem Unterschied zwischen Verantwortung und emotionaler Übernahme.
Weil ich beobachte, dass viele Pferdetherapeutinnen nicht an mangelndem Wissen scheitern, sondern daran, dass sie sich selbst im Weg stehen. Durch zu viel Verantwortungsgefühl, durch fehlende Abgrenzung, durch die leisen Zweifel, ob das, was sie tun, gut genug ist.
Wenn du das kennst: Du bist damit nicht allein und es gibt Wege hier viel besser zu werden.